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Karl Marx
Zur Kritik der Politischen Ökonomie
Vorwort Seite 2 - 4
Erstes Buch: Vom Kapital Seite 4 101
I. Das Kapital im allgemeinen Seite 4 32
1. Die Ware Seite 4 22
A. Historisches zur Analyse
der Ware Seite 18 22
2. Das Geld oder die einfache Zirkulation Seite 22 32
1. Maß der Werte Seite 22 27
B. Theorien von der Maßeinheit
des Geldes Seite 27 32
2. Zirkulationsmittel Seite 32 49
a) Die Metamorphose der Waren Seite 32 37
b) Der Umlauf des Geldes Seite 37 42
c) Die Münze. Das Wertzeichen Seite 42 49
3. Geld Seite 49
a) Schatzbildung Seite 51 56
b) Zahlungsmittel Seite 56 62
c) Weltgeld Seite 62 64
4. Die edeln Metalle Seite 64..81
C)Theorien über Zirkulationsmittel
und Geld Seite 66 81
Fußnoten Seite 81 101
Lesarten Seite 101


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Vorwort


Ich betrachte das System der bürgerlichen Ökonomie in dieser Reihenfolge: Kapital,
Grundeigentum, Lohnarbeit; Staat, auswärtiger Handel, Weltmarkt. Unter den drei ersten
Rubriken untersuche ich die ökonomischen Lebensbedingungen der drei großen Klassen,
worin die moderne bürgerliche Gesellschaft zerfällt; der Zusammenhang der drei andern
Rubriken springt in die Augen. Die erste Abteilung des ersten Buchs, das vom Kapital
handelt, besteht aus folgenden Kapiteln: 1. die Ware; 2. das Geld oder die einfache
Zirkulation; 3. das Kapital im allgemeinen. Die zwei ersten Kapitel bilden den Inhalt des
vorliegenden Heftes. Das Gesamtmaterial liegt vor mir in Form von Monographien, die in
weit auseinanderliegenden Perioden zu eigner Selbstverständigung, nicht für den Druck
niedergeschrieben wurden, und deren zusammenhängende Verarbeitung nach dem
angegebenen Plan von äußern Umständen abhängen wird.
Eine allgemeine Einleitung, die ich hingeworfen hatte, unterdrücke ich, weil mir bei
näherem Nachdenken jede Vorwegnahme erst zu beweisender Resultate störend scheint, und
der Leser, der mir überhaupt folgen will, sich entschließen muß, von dem einzelnen zum
allgemeinen aufzusteigen. Einige Andeutungen über den Gang meiner eignen politischökonomischen
Studien mögen dagegen hier am Platz scheinen.
Mein Fachstudium war das der Jurisprudenz, die ich jedoch nur als untergeordnete
Disziplin neben Philosophie und Geschichte betrieb. Im Jahr 1842/43, als Redakteur der
»Rheinischen Zeitung«, kam ich zuerst in die Verlegenheit, über sogenannte materielle
Interessen mitsprechen zu müssen. Die Verhandlungen des Rheinischen Landtags über
Holzdiebstahl und Parzellierung des Grundeigentums, die amtliche Polemik, die Herr von
Schaper, damals Oberpräsident der Rheinprovinz, mit der »Rheinischen Zeitung« über die
Zustände der Moselbauern eröffnete, Debatten endlich über Freihandel und Schutzzoll, gaben
die ersten Anlässe zu meiner Beschäftigung mit ökonomischen Fragen. Andererseits hatte zu
jener Zeit, wo der gute Wille »weiterzugehen« Sachkenntnis vielfach aufwog, ein schwach
philosophisch gefärbtes Echo des französischen Sozialismus und Kommunismus sich in der
»Rheinischen Zeitung« hörbar gemacht. Ich erklärte mich gegen diese Stümperei, gestand
aber zugleich in einer Kontroverse mit der »Allgemeinen Augsburger Zeitung« rund heraus,
daß meine bisherigen Studien mir nicht erlaubten, irgendein Urteil über den Inhalt der
französischen Richtungen selbst zu wagen. Ich ergriff vielmehr begierig die Illusion der
Geranten der »Rheinischen Zeitung«, die durch schwächere Haltung des Blattes das über es
gefällte Todesurteil rückgängig machen zu können glaubten, um mich von der öffentlichen
Bühne in die Studierstube zurückzuziehn.
Die erste Arbeit, unternommen zur Lösung der Zweifel, die mich bestürmten, war eine
kritische Revision der Hegelschen Rechtsphilosophie, eine Arbeit, wovon die Einleitung in
den 1844 in Paris herausgegebenen »Deutsch-Französischen Jahrbüchern« erschien. Meine
Untersuchung mündete in dem Ergebnis, daß Rechtsverhältnisse wie Staatsformen weder aus
sich selbst zu begreifen sind noch aus der sogenannten allgemeinen Entwicklung des menschlichen
Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln, deren
Gesamtheit Hegel, nach dem Vorgang der Engländer und Franzosen des 18. Jahrhunderts,
unter dem Namen »bürgerliche Gesellschaft« zusammenfaßt, daß aber die Anatomie der
bürgerlichen Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei. Die Erforschung der
letztern, die ich in Paris begann, setzte ich fort zu Brüssel, wohin ich infolge eines
Ausweisungsbefehls des Herrn Guizot übergewandert war. Das allgemeine Resultat, das sich
mir ergab und, einmal gewonnen, meinen Studien zum Leitfaden diente, kann kurz so
formuliert werden: In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen
bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse,
die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte
entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur


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der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt,
und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise
des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß
überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr
gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer
Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den
vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit
den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen
der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt
dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage
wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung
solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich
treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen
und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz,
ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn
ausfechten. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst
dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein
beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des materiellen
Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und
Produktionsverhältnissen erklären. Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle
Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse
treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im
Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind. Daher stellt sich die Menschheit
immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß
die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon
vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind. In großen Umrissen
können asiatische, antike, feudale und modern bürgerliche Produktionsweisen als progressive
Epochen der ökonomischen Gesellschaftsformation bezeichnet werden. Die bürgerlichen
Produktionsverhältnisse sind die letzte antagonistische Form des gesellschaftlichen
Produktionsprozesses, antagonistisch nicht im Sinn von individuellem Antagonismus, sondern
eines aus den gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Individuen hervorwachsenden
Antagonismus, aber die im Schoß der bürgerlichen Gesellschaft sich entwickelnden
Produktivkräfte schaffen zugleich die materiellen Bedingungen zur Lösung dieses
Antagonismus. Mit dieser Gesellschaftsformation schließt daher die Vorgeschichte der
menschlichen Gesellschaft ab.
Friedrich Engels, mit dem ich seit dem Erscheinen seiner genialen Skizze zur Kritik
der ökonomischen Kategorien (in den »Deutsch-Französischen Jahrbüchern«) einen steten
schriftlichen Ideenaustausch unterhielt, war auf anderm Wege (vergleiche seine »Lage der
arbeitenden Klasse in England«) mit mir zu demselben Resultat gelangt, und als er sich im
Frühling 1845 ebenfalls in Brüssel niederließ, beschlossen wir, den Gegensatz unsrer Ansicht
gegen die ideologische der deutschen Philosophie gemeinschaftlich auszuarbeiten, in der Tat
mit unserm ehemaligen philosophischen Gewissen abzurechnen. Der Vorsatz ward ausgeführt
in der Form einer Kritik der nachhegelschen Philosophie. Das Manuskript, zwei starke Oktavbände,
war längst an seinem Verlagsort in Westphalen angelangt, als wir die Nachricht
erhielten, daß veränderte Umstände den Druck nicht erlaubten. Wir überließen das
Manuskript der nagenden Kritik der Mäuse um so williger, als wir unsern Hauptzweck
erreicht hatten - Selbstverständigung. Von den zerstreuten Arbeiten, worin wir damals nach
der einen oder andern Seite hin unsre Ansichten dem Publikum vorlegten, erwähne ich nur
das von Engels und mir gemeinschaftlich verfaßte »Manifest der Kommunistischen Partei«
und einen von mir veröffentlichten »Discours sur le libre échange«. Die entscheidenden
Punkte unsrer Ansicht wurden zuerst wissenschaftlich, wenn auch nur polemisch, angedeutet


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in meiner 1847 herausgegebenen und gegen Proudhon gerichteten Schrift »Misère de la
philosophie etc.« Eine deutsch geschriebene Abhandlung über die »Lohnarbeit«, worin ich
meine über diesen Gegenstand im Brüsseler Deutschen Arbeiterverein gehaltenen Vorträge
zusammenflocht, wurde im Druck unterbrochen durch die Februarrevolution und meine
infolge derselben stattfindende gewaltsame Entfernung aus Belgien.
Die Herausgabe der »Neuen Rheinischen Zeitung« 1848 und 1849 und die später
erfolgten Ereignisse unterbrachen meine ökonomischen Studien, die erst im Jahr 1850 in
London wiederaufgenommen werden konnten. Das ungeheure Material für Geschichte der
politischen Ökonomie, das im British Museum aufgehäuft ist, der günstige Standpunkt, den
London für die Beobachtung der bürgerlichen Gesellschaft gewährt, endlich das neue
Entwicklungsstadium, worin letztere mit der Entdeckung des kalifornischen und australischen
Goldes einzutreten schien, bestimmten mich, ganz von vorn wieder anzufangen und mich
durch das neue Material kritisch durchzuarbeiten. Diese Studien führten teils von selbst in
scheinbar ganz abliegende Disziplinen, in denen ich kürzer oder länger verweilen mußte.
Namentlich aber wurde die mir zu Gebot stehende Zeit geschmälert durch die gebieterische
Notwendigkeit einer Erwerbstätigkeit. Meine nun achtjährige Mitarbeit an der ersten englischamerikanischen
Zeitung, der »New-York Tribune«, machte, da ich mit eigentlicher
Zeitungskorrespondenz mich nur ausnahmsweise befasse, eine außerordentliche Zersplitterung
der Studien nötig. Indes bildeten Artikel über auffallende ökonomische Ereignisse in
England und auf dem Kontinent einen so bedeutenden Teil meiner Beiträge, daß ich genötigt
ward, mich mit praktischen Details vertraut zu machen, die außerhalb des Bereichs der
eigentlichen Wissenschaft der politischen Ökonomie liegen.
Diese Skizze über den Gang meiner Studien im Gebiet der politischen Ökonomie soll
nur beweisen, daß meine Ansichten, wie man sie immer beurteilen mag und wie wenig sie mit
den interessierten Vorurteilen der herrschenden Klassen übereinstimmen, das Ergebnis
gewissenhafter und langjähriger Forschung sind.
Bei dem Eingang in die Wissenschaft aber, wie beim Eingang in die Hölle, muß die
Forderung gestellt werden:
Qui si convien lasciare ogni sospetto
Ogni viltà convien che qui sia morta.
London, im Januar 1859


Karl Marx
Erstes Buch: Vom Kapital
I. Das Kapital im allgemeinen
1. Die Ware
Auf den ersten Blick erscheint der bürgerliche Reichtum als eine ungeheure
Warensammlung, die einzelne Ware als sein elementarisches Dasein. Jede Ware aber stellt
sich dar unter dem doppelten Gesichtspunkt von Gebrauchswert und Tauschwert.1
Die Ware ist zunächst, in der Sprachweise der englischen Ökonomen, »irgendein
Ding, notwendig, nützlich, oder angenehm für das Leben«, Gegenstand menschlicher
Bedürfnisse, Lebensmittel im weitesten Sinne des Wortes. Dieses Dasein der Ware als
Gebrauchswert und ihre natürliche handgreifliche Existenz fallen zusammen. Weizen z.B. ist


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ein besonderer Gebrauchswert im Unterschied von den Gebrauchswerten Baumwolle, Glas,
Papier usw. Der Gebrauchswert hat nur Wert für den Gebrauch und verwirklicht sich nur im
Prozeß der Konsumtion. Derselbe Gebrauchswert kann verschieden vernutzt werden. Die
Summe seiner möglichen Nutzanwendungen jedoch ist zusammengefaßt in seinem Dasein als
Ding mit bestimmten Eigenschaften. Er ist ferner nicht nur qualitativ, sondern auch
quantitativ bestimmt. Ihrer natürlichen Eigentümlichkeit gemäß besitzen verschiedene
Gebrauchswerte verschiedene Maße, z.B. Scheffel Weizen, Buch Papier, Elle Leinwand usw.
Welches immer die gesellschaftliche Form des Reichtums sei, Gebrauchswerte bilden
stets seinen gegen diese Form zunächst gleichgültigen Inhalt. Man schmeckt dem Weizen
nicht an, wer ihn gebaut hat, russischer Leibeigner, französischer Parzellenbauer oder
englischer Kapitalist. Obgleich Gegenstand gesellschaftlicher Bedürfnisse, und daher in
gesellschaftlichem Zusammenhang, drückt der Gebrauchswert jedoch kein gesellschaftliches
Produktionsverhältnis aus. Diese Ware als Gebrauchswert ist z.B. ein Diamant. Am Diamant
ist nicht wahrzunehmen, daß er Ware ist. Wo er als Gebrauchswert dient, ästhetisch oder
mechanisch, am Busen der Lorette oder in der Hand des Glasschleifers, ist er Diamant und
nicht Ware. Gebrauchswert zu sein scheint notwendige Voraussetzung für die Ware, aber
Ware zu sein gleichgültige Bestimmung für den Gebrauchswert. Der Gebrauchswert in dieser
Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung, d.h. der Gebrauchswert als
Gebrauchswert, liegt jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie.2 In ihren
Kreis fällt er nur, wo er selbst Formbestimmung. Unmittelbar ist er die stoffliche Basis, woran
sich ein bestimmtes ökonomisches Verhältnis darstellt, der Tauschwert.
Tauschwert erscheint zunächst als quantitatives Verhältnis, worin Gebrauchswerte
gegeneinander austauschbar. In solchem Verhältnis bilden sie dieselbe Tauschgröße. So
mögen 1 Band Properz und 8 Unzen Schnupftabak derselbe Tauschwert sein, trotz der
disparaten Gebrauchswerte von Tabak und Elegie. Als Tauschwert ist ein Gebrauchswert
grade so viel wert wie der andere, wenn nur in richtiger Portion vorhanden. Der Tauschwert
eines Palastes kann in bestimmter Anzahl von Stiefelwichsbüchsen ausgedrückt werden.
Londoner Stiefelwichsfabrikanten haben umgekehrt den Tauschwert ihrer multiplizierten
Büchsen in Palästen ausgedrückt. Ganz gleichgültig also gegen ihre natürliche Existenzweise,
und ohne Rücksicht auf die spezifische Natur des Bedürfnisses, wofür sie Gebrauchswerte,
decken sich Waren in bestimmten Quantitäten, ersetzen einander im Austausch, gelten als
Äquivalente, und stellen so trotz ihres buntscheckigen Scheins dieselbe Einheit dar.
Die Gebrauchswerte sind unmittelbar Lebensmittel. Umgekehrt aber sind diese
Lebensmittel selbst Produkte des gesellschaftlichen Lebens, Resultat verausgabter menschlicher
Lebenskraft, vergegenständlichte Arbeit. Als Materiatur der gesellschaftlichen Arbeit
sind alle Waren Kristallisationen derselben Einheit. Der bestimmte Charakter dieser Einheit,
d.h. der Arbeit, die sich im Tauschwert darstellt, ist nun zu betrachten.
Eine Unze Gold, 1 Tonne Eisen, 1 Quarter Weizen und 20 Ellen Seide seien gleich
große Tauschwerte. Als solche Äquivalente, worin der qualitative Unterschied ihrer
Gebrauchswerte ausgelöscht ist, stellen sie gleiches Volumen derselben Arbeit dar. Die
Arbeit, die sich gleichmäßig in ihnen vergegenständlicht, muß selbst gleichförmige,
unterschiedslose, einfache Arbeit sein, der es ebenso gleichgültig, ob sie in Gold, Eisen,
Weizen, Seide erscheint, wie es dem Sauerstoff ist, ob er vorkommt im Rost des Eisens, der
Atmosphäre, dem Saft der Traube oder dem Blut des Menschen. Aber Gold graben, Eisen aus
dem Bergwerk fördern, Weizen bauen und Seide weben sind qualitativ voneinander
verschiedene Arbeitsarten. In der Tat, was sachlich als Verschiedenheit der Gebrauchswerte,
erscheint prozessierend als Verschiedenheit der die Gebrauchswerte hervorbringenden
Tätigkeit. Als gleichgültig gegen den besondern Stoff der Gebrauchswerte ist die Tauschwert
setzende Arbeit daher gleichgültig gegen die besondere Form der Arbeit selbst. Die
verschiedenen Gebrauchswerte sind ferner Produkte der Tätigkeit verschiedener Individuen,
also Resultat individuell verschiedener Arbeiten. Als Tauschwerte stellen sie aber gleiche,


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unterschiedslose Arbeit dar, d.h. Arbeit, worin die Individualität der Arbeitenden ausgelöscht
ist. Tauschwert setzende Arbeit ist daher abstrakt allgemeine Arbeit.
Wenn 1 Unze Gold, 1 Tonne Eisen, 1 Quarter Weizen und 20 Ellen Seide gleich große
Tauschwerte oder Äquivalente sind, sind 1 Unze Gold, 1/2 Tonne Eisen, 3 Bushel Weizen
und 5 Ellen Seide Tauschwerte von durchaus verschiedener Größe, und dieser quantitative
Unterschied ist der einzige Unterschied, dessen sie als Tauschwerte überhaupt fähig sind. Als
Tauschwerte von verschiedener Größe stellen sie ein Mehr oder Minder, größere oder kleinere
Quanta jener einfachen, gleichförmigen, abstrakt allgemeinen Arbeit dar, die die Substanz des
Tauschwerts bildet. Es fragt sich, wie diese Quanta messen? Oder es fragt sich vielmehr,
welches das quantitative Dasein jener Arbeit selbst ist, da die Größenunterschiede der Waren
als Tauschwerte nur Größenunterschiede der in ihnen vergegenständlichten Arbeit sind. Wie
das quantitative Dasein der Bewegung die Zeit ist, so ist das quantitative Dasein der Arbeit
die Arbeitszeit. Die Verschiedenheit ihrer eignen Dauer ist der einzige Unterschied, dessen sie
fähig ist, ihre Qualität als gegeben vorausgesetzt. Als Arbeitszeit erhält sie ihren Maßstab an
den natürlichen Zeitmaßen, Stunde, Tag, Woche usw. Arbeitszeit ist das lebendige Dasein der
Arbeit, gleichgültig gegen ihre Form, ihren Inhalt, ihre Individualität; es ist ihr lebendiges
Dasein als quantitatives, zugleich mit seinem immanenten Maße. Die in den Gebrauchswerten
der Waren vergegenständlichte Arbeitszeit ist ebensowohl die Substanz, die sie zu
Tauschwerten macht und daher zu Waren, wie sie ihre bestimmte Wertgröße mißt. Die
korrelativen Quantitäten verschiedener Gebrauchswerte, in welchen dieselbe Arbeitszeit sich
vergegenständlicht, sind Äquivalente, oder alle Gebrauchswerte sind Äquivalente in den
Proportionen, worin sie dieselbe Arbeitszeit aufgearbeitet, vergegenständlicht enthalten. Als
Tauschwert sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit.
Zum Verständnis der Bestimmung des Tauschwerts durch Arbeitszeit sind folgende
Hauptgesichtspunkte festzuhalten: die Reduktion der Arbeit auf einfache, sozusagen
qualitätslose Arbeit; die spezifische Art und Weise, worin die Tauschwert setzende, also
Waren produzierende Arbeit gesellschaftliche Arbeit ist; endlich der Unterschied zwischen
der Arbeit, sofern sie in Gebrauchswerten, und der Arbeit, sofern sie in Tauschwerten
resultiert.
Um die Tauschwerte der Waren an der in ihnen enthaltenen Arbeitszeit zu messen,
müssen die verschiedenen Arbeiten selbst reduziert sein auf unterschiedslose, gleichförmige,
einfache Arbeit, kurz auf Arbeit, die qualitativ dieselbe ist und sich daher nur quantitativ
unterscheidet.
Diese Reduktion erscheint als eine Abstraktion, aber es ist eine Abstraktion, die in
dem gesellschaftlichen Produktionsprozeß täglich vollzogen wird. Die Auflösung aller Waren
in Arbeitszeit ist keine größere Abstraktion, aber zugleich keine minder reelle, als die aller
organischen Körper in Luft. Die Arbeit, die so gemessen ist durch die Zeit, erscheint in der
Tat nicht als Arbeit verschiedener Subjekte, sondern die verschiedenen arbeitenden
Individuen erscheinen vielmehr als bloße Organe der Arbeit. Oder die Arbeit, wie sie sich in
Tauschwerten darstellt, könnte ausgedrückt werden als allgemein menschliche Arbeit. Diese
Abstraktion der allgemein menschlichen Arbeit existiert in der Durchschnittsarbeit, die jedes
Durchschnittsindividuum einer gegebenen Gesellschaft verrichten kann, eine bestimmte
produktive Verausgabung von menschlichem Muskel, Nerv, Gehirn usw. Es ist einfache
Arbeit3, wozu jedes Durchschnittsindividuum abgerichtet werden kann und die es in der einen
oder andern Form verrichten muß. Der Charakter dieser Durchschnittsarbeit ist selbst
verschieden in verschiedenen Ländern und verschiedenen Kulturepochen, erscheint aber als
gegeben in einer vorhandenen Gesellschaft. Die einfache Arbeit bildet die bei weitem größte
Masse aller Arbeit der bürgerlichen Gesellschaft, wie man sich aus jeder Statistik überzeugen
kann. Ob A während 6 Stunden Eisen und während 6 Stunden Leinwand produziert, und B
ebenfalls während 6 Stunden Eisen und während 6 Stunden Leinwand produziert, oder ob A
während 12 Stunden Eisen und B während 12 Stunden Leinwand produziert, erscheint


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augenfällig als bloß verschiedene Anwendung derselben Arbeitszeit. Aberwie mit der
komplizierten Arbeit, die sich über das Durchschnittsniveau erhebt als Arbeit von höherer
Lebendigkeit, größerem spezifischen Gewicht? Diese Art Arbeit löst sich auf in
zusammengesetzte einfache Arbeit, einfache Arbeit auf höherer Potenz, so daß z.B. ein
komplizierter Arbeitstag gleich drei einfachen Arbeitstagen. Die Gesetze, die diese Reduktion
regeln, gehören noch nicht hierher. Daß die Reduktion aber stattfindet, ist klar: denn als
Tauschwert ist das Produkt der kompliziertesten Arbeit in bestimmter Proportion Äquivalent
für das Produkt der einfachen Durchschnittsarbeit, also gleichgesetzt einem bestimmten
Quantum dieser einfachen Arbeit.
Die Bestimmung des Tauschwerts durch die Arbeitszeit unterstellt ferner, daß in einer
bestimmten Ware, einer Tonne Eisen z.B., gleich viel Arbeit vergegenständlicht ist, gleichgültig,
ob sie Arbeit von A oder B, oder daß verschiedene Individuen gleich große Arbeitszeit
zur Produktion desselben, qualitativ und quantitativ bestimmten Gebrauchswerts verwenden.
In andern Worten, es ist unterstellt, daß die in einer Ware enthaltene Arbeitszeit die zu ihrer
Produktion notwendige Arbeitszeit ist, d.h. die Arbeitszeit erheischt, um unter gegebenen
allgemeinen Produktionsbedingungen ein neues Exemplar derselben Ware zu produzieren.
Die Bedingungen der Tauschwert setzenden Arbeit, wie sie sich aus der Analyse des
Tauschwerts ergeben, sind gesellschaftliche Bestimmungen der Arbeit oder Bestimmungen
gesellschaftlicher Arbeit, aber gesellschaftlich nicht schlechthin, sondern in besonderer
Weise. Es ist eine spezifische Art der Gesellschaftlichkeit. Zunächst ist die unterschiedslose
Einfachheit der Arbeit Gleichheit der Arbeiten verschiedener Individuen, wechselseitiges
Beziehen ihrer Arbeiten aufeinander als gleicher, und zwar durch tatsächliche Reduktion aller
Arbeiten auf gleichartige Arbeit. Die Arbeit jedes Individuums, soweit sie sich in
Tauschwerten darstellt, besitzt diesen gesellschaftlichen Charakter der Gleichheit, und sie
stellt sich nur im Tauschwert dar, soweit sie auf die Arbeit aller andern Individuen als gleiche
bezogen ist.
Ferner erscheint im Tauschwert die Arbeitszeit des einzelnen Individuums unmittelbar
als allgemeine Arbeitszeit und dieser allgemeine Charakter der vereinzelten Arbeit als gesellschaftlicher
Charakter derselben. Die im Tauschwert dargestellte Arbeitszeit ist Arbeitszeit
des einzelnen, aber des einzelnen ohne Unterschied vom andern einzelnen, aller einzelnen,
sofern sie gleiche Arbeit vollbringen, daher die von dem einen zur Produktion einer
bestimmten Ware erheischte Arbeitszeit die notwendige Arbeitszeit ist, die jeder andre zur
Produktion derselben Ware verwenden würde. Sie ist die Arbeitszeit des einzelnen, seine
Arbeitszeit, aber nur als allen gemeine Arbeitszeit, für die es daher gleichgültig, die
Arbeitszeit wessen einzelnen sie ist. Als allgemeine Arbeitszeit stellt sie sich dar in einem
allgemeinen Produkt, einem allgemeinen Äquivalent, einem bestimmten Quantum vergegenständlichter
Arbeitszeit, das gleichgültig gegen die bestimmte Form des Gebrauchswerts,
worin es unmittelbar als Produkt des einen erscheint, beliebig übersetzbar ist in jede andere
Form von Gebrauchswert, worin es sich als Produkt jedes andern darstellt. Gesellschaftliche
Größe ist es nur als solche allgemeine Größe. Die Arbeit des einzelnen, um in Tauschwert zu
resultieren, muß resultieren in ein allgemeines Äquivalent, d.h. in Darstellung der Arbeitszeit
des einzelnen als allgemeiner Arbeitszeit oder Darstellung der allgemeinen Arbeitszeit als der
des einzelnen. Es ist, als ob die verschiedenen Individuen ihre Arbeitszeit zusammengeworfen
und verschiedene Quanta der ihnen gemeinschaftlich zu Gebote stehenden Arbeitszeit in
verschiedenen Gebrauchswerten dargestellt hätten. Die Arbeitszeit des einzelnen ist so in der
Tat die Arbeitszeit, deren die Gesellschaft zur Darstellung eines bestimmten Gebrauchswertes,
d.h. zur Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses bedarf. Aber es handelt sich hier
nur um die spezifische Form, worin die Arbeit gesellschaftlichen Charakter erhält. Eine
bestimmte Arbeitszeit des Spinners vergegenständlicht sich z.B. in 100 Pfund Leinengarn.
100 Ellen Leinwand, das Produkt des Webers, sollen gleiches Quantum Arbeitszeit darstellen.
Sofern diese beiden Produkte gleich großes Quantum allgemeiner Arbeitszeit darstellen und


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daher Äquivalente für jeden Gebrauchswert, der gleich viel Arbeitszeit enthält, sind sie
Äquivalente füreinander. Nur dadurch, daß die Arbeitszeit des Spinners und die Arbeitszeit
des Webers als allgemeine Arbeitszeit, ihre Produkte daher als allgemeine Äquivalente sich
darstellen, wird hier die Arbeit des Webers für den Spinner und die des Spinners für den
Weber, die Arbeit des einen für die Arbeit des andern, d.h. das gesellschaftliche Dasein ihrer
Arbeiten für beide. In der ländlich-patriarchalischen Industrie dagegen, wo Spinner und
Weber unter demselben Dach hausten, der weibliche Teil der Familie spann, der männliche
webte, sage zum Selbstbedarf der Familie, waren Garn und Leinwand gesellschaftliche
Produkte, Spinnen und Weben gesellschaftliche Arbeiten innerhalb der Grenzen der Familie.
Ihr gesellschaftlicher Charakter bestand aber nicht darin, daß Garn als allgemeines Äquivalent
gegen Leinwand als allgemeines Äquivalent oder beide sich gegeneinander austauschten als
gleich gültige und gleich geltende Ausdrücke derselben allgemeinen Arbeitszeit. Der
Familienzusammenhang vielmehr mit seiner naturwüchsigen Teilung der Arbeit drückte dem
Produkt der Arbeit seinen eigentümlichen gesellschaftlichen Stempel auf. Oder nehmen wir
die Naturaldienste und Naturallieferungen des Mittelalters. Die bestimmten Arbeiten der
einzelnen in ihrer Naturalform, die Besonderheit, nicht die Allgemeinheit der Arbeit bildet
hier das gesellschaftliche Band. Oder nehmen wir endlich die gemeinschaftliche Arbeit in
ihrer naturwüchsigen Form, wie wir sie an der Schwelle der Geschichte aller Kulturvölker
finden.4 Hier ist der gesellschaftliche Charakter der Arbeit offenbar nicht dadurch vermittelt,
daß die Arbeit des einzelnen die abstrakte Form der Allgemeinheit, oder sein Produkt die
Form eines allgemeinen Äquivalents annimmt. Es ist das der Produktion vorausgesetzte
Gemeinwesen, das die Arbeit des einzelnen verhindert. Privatarbeit und sein Produkt
Privatprodukt zu sein, die einzelne Arbeit vielmehr unmittelbar als Funktion eines Gliedes des
Gesellschaftsorganismus erscheinen läßt. Die Arbeit, die sich im Tauschwert darstellt, ist
vorausgesetzt als Arbeit des vereinzelten Einzelnen. Gesellschaftlich wird sie dadurch, daß sie
die Form ihres unmittelbaren Gegenteils, die Form der abstrakten Allgemeinheit annimmt.
Es charakterisiert endlich die Tauschwert setzende Arbeit, daß die gesellschaftliche
Beziehung der Personen sich gleichsam verkehrt darstellt, nämlich als gesellschaftliches
Verhältnis der Sachen. Nur insofern der eine Gebrauchswert sich auf den andern als Tauschwert
bezieht, ist die Arbeit der verschiedenen Personen aufeinander als gleiche und
allgemeine bezogen. Wenn es daher richtig ist zu sagen, daß der Tauschwert ein Verhältnis
zwischen Personen5 ist, so muß aber hinzugesetzt werden: unter dinglicher Hülle verstecktes
Verhältnis. Wie ein Pfund Eisen und ein Pfund Gold trotz ihrer verschiedenen physischen und
chemischen Eigenschaften dasselbe Quantum Schwere darstellen, so zwei Gebrauchswerte
von Waren, worin dieselbe Arbeitszeit enthalten ist, denselben Tauschwert. Der Tauschwert
erscheint so als gesellschaftliche Naturbestimmtheit der Gebrauchswerte, als eine Bestimmtheit,
die ihnen als Dingen zukommt, und infolge deren sie sich im Austauschprozeß ebenso in
bestimmten quantitativen Verhältnissen ersetzen, Äquivalente bilden, wie einfache chemische
Stoffe in bestimmten quantitativen Verhältnissen sich verbinden, chemische Äquivalente
bilden. Es ist nur die Gewohnheit des täglichen Lebens, die es als trivial, als selbstverständlich
erscheinen läßt, daß ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis die Form eines
Gegenstandes annimmt, so daß das Verhältnis der Personen in ihrer Arbeit sich vielmehr als
ein Verhältnis darstellt, worin Dinge sich zu einander und zu den Personen verhalten. In der
Ware ist diese Mystifikation noch sehr einfach. Es schwebt allen mehr oder minder vor, daß
das Verhältnis der Waren als Tauschwerte vielmehr Verhältnis der Personen zu ihrer
wechselseitigen produktiven Tätigkeit ist. In höheren Produktionsverhältnissen verschwindet
dieser Schein der Einfachheit. Alle Illusionen des Monetarsystems stammen daher, daß dem
GeldA1 nicht angesehen wird, daß es ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis darstellt,
aber in der Form eines Naturdings von bestimmten Eigenschaften. Bei den modernen
Ökonomen, die auf die Illusionen des Monetarsystems herabgrinsen, verrät sich dieselbe
Illusion, sobald sie höhere ökonomische Kategorien handhaben, z.B. das Kapital. Sie bricht


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hervor in dem Geständnis naiver Verwunderung, wenn bald als gesellschaftliches Verhältnis
erscheint, was sie eben plump als Ding festzuhalten meinten, und dann wieder als Ding sie
neckt, was sie kaum als gesellschaftliches Verhältnis fixiert hatten.
Indem der Tauschwert der Waren in der Tat nichts ist als Beziehung der Arbeiten der
einzelnen aufeinander als gleiche und allgemeine, nichts als gegenständlicher Ausdruck einer
spezifisch gesellschaftlichen Form der Arbeit, ist es Tautologie, zu sagen, daß die Arbeit
einzige Quelle des Tauschwerts sei und daher des Reichtums, soweit er aus Tauschwerten
besteht. Es ist dieselbe Tautologie, daß der Naturstoff als solcher keinen Tauschwert6, weil
keine Arbeit und der Tauschwert als solcher keinen Naturstoff enthält. Wenn aber William
Petty »die Arbeit den Vater und die Erde die Mutter des Reichtums« nennt, oder Bischof
Berkeley fragt, »ob die vier Elemente und des Menschen Arbeit darin nicht die wahre Quelle
des Reichtums seien«7, oder wenn der Amerikaner Th. Cooper populär klarmacht: »Nimm
von einem Laib Brot die darauf verwandte Arbeit weg, die Arbeit von Bäcker, Müller, Pächter
usw., und was bleibt übrig? Ein paar Graskörner, wildwachsend und unnütz für jeden
menschlichen Gebrauch«8, so handelt es sich in allen diesen Anschauungen nicht von der
abstrakten Arbeit, wie sie Quelle des Tauschwerts ist, sondern von der konkreten Arbeit als
einer Quelle stofflichen Reichtums, kurz von der Arbeit, sofern sie Gebrauchswerte
hervorbringt. Indem der Gebrauchswert der Ware vorausgesetzt ist, ist die besondere Nützlichkeit,
die bestimmte Zweckmäßigkeit der in ihr aufgezehrten Arbeit vorausgesetzt, damit
aber vom Standpunkt der Ware aus zugleich alle Rücksicht auf die Arbeit als nützliche Arbeit
erschöpft. Am Brot als Gebrauchswert interessieren uns seine Eigenschaften als Nahrungsmittel,
keineswegs die Arbeiten von Pächter, Müller, Bäcker usw. Wenn durch irgendeine
Erfindung 19/20 dieser Arbeiten wegfielen, würde das Laib denselben Dienst leisten wie
zuvor. Wenn es fertig vom Himmel fiele, würde es kein Atom seines Gebrauchswerts
verlieren. Während sich die Tauschwert setzende Arbeit in der Gleichheit der Waren als
allgemeiner Äquivalente verwirklicht, verwirklicht sich die Arbeit als zweckmäßige
produktive Tätigkeit in der unendlichen Mannigfaltigkeit ihrer Gebrauchswerte. Während die
Tauschwert setzende Arbeit abstrakt allgemeine und gleiche Arbeit, ist die Gebrauchswert
setzende Arbeit konkrete und besondere Arbeit, die sich der Form und dem Stoff nach in
unendlich verschiedene Arbeitsweisen zerspaltet.
Von der Arbeit, soweit sie Gebrauchswerte hervorbringt, ist es falsch zu sagen, daß sie
einzige Quelle des von ihr hervorgebrachten, nämlich des stofflichen Reichtums sei. Da sie
die Tätigkeit ist, das Stoffliche für diesen oder jenen Zweck anzueignen, bedarf sie des
Stoffes als Voraussetzung. In verschiedenen Gebrauchswerten ist die Proportion zwischen
Arbeit und Naturstoff sehr verschieden, aber stets enthält der Gebrauchswert ein natürliches
Substrat. Als zweckmäßige Tätigkeit zur Aneignung des Natürlichen in einer oder der anderen
Form ist die Arbeit Naturbedingung der menschlichen Existenz, eine von allen sozialen
Formen unabhängige Bedingung des Stoffwechsels zwischen Mensch und Natur. Tauschwert
setzende Arbeit ist dagegen eine spezifisch gesellschaftliche Form der Arbeit. Schneiderarbeit
z.B. in ihrer stofflichen Bestimmtheit als besondere produktive Tätigkeit, produziert den
Rock, aber nicht den Tauschwert des Rocks. Letztem produziert sie nicht als Schneiderarbeit,
sondern als abstrakt allgemeine Arbeit, und diese gehört einem Gesellschaftszusammenhang,
den der Schneider nicht eingefädelt hat. So produzierten in der antiken häuslichen Industrie
Weiber den Rock, ohne den Tauschwert des Rockes zu produzieren. Arbeit als eine Quelle
von stofflichem Reichtum war dem Gesetzgeber Moses sowohl bekannt wie dem Zollbeamten
Adam Smith.9
Betrachten wir nun einige nähere Bestimmungen, die sich aus der Zurückführung des
Tauschwerts auf Arbeitszeit ergeben.
Als Gebrauchswert wirkt die Ware ursachlich. Weizen z.B. wirkt als Nahrungsmittel.
Eine Maschine ersetzt Arbeit in bestimmten Verhältnissen. Diese Wirkung der Ware,
wodurch sie allein Gebrauchswert, Gegenstand der Konsumtion ist, kann ihr Dienst genannt


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werden, der Dienst, den sie als Gebrauchswert leistet. Als Tauschwert aber wird die Ware
immer nur unter dem Gesichtspunkt des Resultats betrachtet. Es handelt sich nicht um den
Dienst, den sie leistet, sondern um den Dienst10, der ihr selbst geleistet worden ist in ihrer
Produktion. So ist also der Tauschwert einer Maschine z.B. bestimmt nicht durch das
Quantum Arbeitszeit, das von ihr ersetzt wird, sondern das Quantum Arbeitszeit, das in ihr
selbst aufgearbeitet und daher erheischt ist, eine neue Maschine derselben Art zu produzieren.
Bliebe daher das zur Produktion von Waren er heischte Arbeitsquantum konstant, so
wäre ihr Tauschwert unveränderlich. Aber die Leichtigkeit und Schwierigkeit der Produktion
wechseln beständig. Wächst die Produktivkraft der Arbeit, so produziert sie denselben
Gebrauchswert in kürzerer Zeit. Fällt die Produktivkraft der Arbeit, so wird mehr Zeit
erheischt zur Produktion desselben Gebrauchswerts. Die Größe der in einer Ware enthaltenen
Arbeitszeit, also ihr Tauschwert, ist daher ein wechselnder, steigt oder fällt in umgekehrtem
Verhältnis zum Steigen oder Fallen der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der
Arbeit, die in der Manufakturindustrie in vorausbestimmtem Grade angewandt wird, ist in der
Agrikultur und der extraktiven Industrie zugleich bedingt durch unkontrollierbare Naturverhältnisse.
Dieselbe Arbeit wird eine größere oder mindere Ausbeute verschiedener Metalle
ergeben, je nach dem relativ seltenern und häufigeren Vorkommen dieser Metalle in der
Erdrinde. Dieselbe Arbeit mag sich mit Gunst der Jahreszeit in 2 Bushel Weizen, mit Ungunst
derselben vielleicht nur in 1 Bushel Weizen vergegenständlichen. Seltenheit oder Überfluß als
Naturverhältnisse scheinen hier den Tauschwert der Waren zu bestimmen, weil sie die an
Naturverhältnisse gebundene Produktivkraft besonderer realen Arbeit bestimmen.
Verschiedene Gebrauchswerte enthalten in ungleichen Volumen dieselbe Arbeitszeit
oder denselben Tauschwert. In je kleinerem Volumen ihres Gebrauchswerts, verglichen mit
den andern Gebrauchswerten, eine Ware, ein bestimmtes Quantum Arbeitszeit enthält, um so
größer ist ihr spezifischer Tauschwert. Finden wir, daß in verschiedenen, weit auseinanderliegenden
Kulturepochen gewisse Gebrauchswerte unter sich eine Reihe von spezifischen
Tauschwerten bilden, die, wenn nicht exakt dasselbe Zahlenverhältnis, doch das allgemeine
Verhältnis der Über- und Unterordnung gegeneinander bewahren, wie z.B. Gold, Silber,
Kupfer, Eisen, oder Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, so folgt daraus nur, daß die fortschreitende
Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte gleichmäßig oder annähernd
gleichmäßig auf die Arbeitszeit einwirkt, die zur Produktion jener verschiedenen Waren
erfordert ist.
Der Tauschwert einer Ware kommt nicht in ihrem eignen Gebrauchswert zur
Erscheinung. Als Vergegenständlichung der allgemeinen gesellschaftlichen Arbeitszeit jedoch
ist der Gebrauchswert einer Ware in Verhältnisse gesetzt zu den Gebrauchswerten anderer
Waren. Der Tauschwert der einen Ware manifestiert sich so in den Gebrauchswerten der
anderen Waren. Äquivalent ist in der Tat der Tauschwert einer Ware ausgedrückt im
Gebrauchswert einer andern Ware. Sage ich z.B. eine Elle Leinwand ist wert zwei Pfund
Kaffee, so ist der Tauschwert der Leinwand in dem Gebrauchswert Kaffee, und zwar in einem
bestimmten Quantum dieses Gebrauchswerts ausgedrückt. Diese Proportion gegeben, kann
ich den Wert jedes Quantums Leinwand in Kaffee ausdrücken. Es ist klar, daß der Tauschwert
einer Ware, z.B. der Leinwand, nicht erschöpft ist in der Proportion, worin eine andere
besondre Ware, z.B. Kaffee, ihr Äquivalent bildet. Das Quantum allgemeiner Arbeitszeit,
dessen Darstellung die Elle Leinwand ist, ist gleichzeitig in unendlich verschiedenen
Volumen von Gebrauchswerten aller andern Waren realisiert. In der Proportion, worin der
Gebrauchswert jeder andern Ware gleich große Arbeitszeit darstellt, bildet er ein Äquivalent
für die Elle Leinwand. Der Tauschwert dieser einzelnen Ware drückt sich daher nur
erschöpfend aus in den unendlich vielen Gleichungen, worin die Gebrauchswerte aller andern
Waren ihr Äquivalent bilden. Nur in der Summe dieser Gleichungen oder in der Gesamtheit
der verschiedenen Proportionen, worin eine Ware mit jeder andern Ware austauschbar ist, ist
sie erschöpfend ausgedrückt als allgemeines Äquivalent. Z.B. die Reihe der Gleichungen


11
1 Elle Leinwand = 1/2 Pfund Tee,
1 Elle Leinwand = 2 Pfund Kaffee,
1 Elle Leinwand = 8 Pfund Brot,
1 Elle Leinwand = 6 Ellen Kattun,
kann dargestellt werden als
1 Elle Leinwand = 1/8 Pfund Tee + 1/2 Pfund Kaffee + 2 Pfund Brot + 11/2 Ellen Kattun.
Wenn wir daher die ganze Summe von Gleichungen vor uns hätten, worin sich der Wert einer
Elle Leinwand erschöpfend ausdrückt, könnten wir ihren Tauschwert darstellen in der Form
einer Reihe. In der Tat ist diese Reihe unendlich, da der Umkreis der Waren nie definitiv
abgeschlossen ist, sondern sich stets ausdehnt. Indem aber so die eine Ware ihren Tauschwert
mißt in den Gebrauchswerten aller andern Waren, messen sich umgekehrt die Tauschwerte
aller andern Waren in dem Gebrauchswert dieser einen sich in ihnen messenden Ware.11
Wenn der Tauschwert 1 Elle Leinwand sich ausdrückt in 1/2 Pfund Tee oder 2 Pfund Kaffee
oder 6 Ellen Kattun oder 8 Pfund Brot usw., so folgt, daß Kaffee, Tee, Kattun, Brot usw. In
dem Verhältnis, worin sie einem dritten, der Leinwand, gleich sind, untereinander gleich sind,
also Leinwand als gemeinschaftliches Maß ihrer Tauschwerte dient. Jede Ware als vergegenständlichte
allgemeine Arbeitszeit, d.h. bestimmtes Quantum allgemeiner Arbeitszeit, drückt
ihren Tauschwert der Reihe nach aus in bestimmten Quantitäten der Gebrauchswerte aller
andern Waren, und die Tauschwerte aller andern Waren messen sich umgekehrt in dem
Gebrauchswert dieser einen ausschließlichen Ware. Als Tauschwert aber ist jede Ware
sowohl die eine ausschließliche Ware, die als gemeinsames Maß der Tauschwerte aller andern
Waren dient, wie sie andrerseits nur eine der vielen Waren ist, in deren Gesamtumkreis jede
andre Ware ihren Tauschwert unmittelbar darstellt.
Die Wertgröße einer Ware wird nicht davon berührt, ob wenig oder viel Waren
anderer Art außer ihr existieren. Ob aber die Reihe der Gleichungen, worin ihr Tauschwert
sich realisiert, größer oder kleiner ist, hängt ab von der größern oder kleinern Mannigfaltigkeit
von andern Waren. Die Reihe von Gleichungen, worin sich z.B. der Wert des Kaffees
darstellt, drückt die Sphäre seiner Austauschbarkeit aus, die Grenzen, worin er als Tauschwert
funktioniert. Dem Tauschwert einer Ware als Vergegenständlichung der allgemeinen
gesellschaftlichen Arbeitszeit entspricht der Ausdruck ihrer Äquivalenz in unendlich verschiedenen
Gebrauchswerten.
Wir haben gesehen, daß der Tauschwert einer Ware wechselt mit der Quantität der
unmittelbar in ihr selbst enthaltenen Arbeitszeit. Ihr realisierter, d.h. in den Gebrauchswerten
anderer Waren ausgedrückter Tauschwert muß ebenso abhängen von dem Verhältnis, worin
die auf die Produktion aller andern Waren verwandte Arbeitszeit wechselt. Bliebe z.B. die zur
Produktion eines Scheffels Weizen erforderliche Arbeitszeit dieselbe, während die zur
Produktion aller andern Waren erheischte Arbeitszeit sich verdoppelte, so wäre der
Tauschwert des Scheffels Weizen, ausgedrückt in seinen Äquivalenten, um die Hälfte
gesunken. Das Resultat wäre praktisch dasselbe, als ob die zur Herstellung des Scheffels
Weizen erforderliche Arbeitszeit um die Hälfte gefallen und die zur Herstellung aller andern
Waren erforderliche Arbeitszeit unverändert geblieben wäre. Der Wert der Waren ist
bestimmt durch die Proportion, worin sie in derselben Arbeitszeit produziert werden können.
Um zu sehen, welchen möglichen Wechseln diese Proportion ausgesetzt ist, unterstellen wir
zwei Waren A und B. Erstens: Die zur Produktion von B erforderte Arbeitszeit bleibe
unverändert. In diesem Falle fällt oder steigt der Tauschwert von A, in B ausgedrückt, direkt
wie die zur Produktion von A erheischte Arbeitszeit fällt oder steigt. Zweitens: Die zur
Produktion von A erforderliche Arbeitszeit bleibe unverändert. Der Tauschwert von A in B
ausgedrückt, fällt oder steigt in umgekehrtem Verhältnisse, wie die zur Produktion von B


12
erheischte Arbeitszeit fällt oder steigt. Drittens: Die zur Produktion von A und B erheischte
Arbeitszeit falle oder steige in gleicher Proportion. Der Ausdruck der Äquivalenz von A in B
bleibt dann unverändert. Nähme durch irgendeinen Umstand die Produktivkraft aller Arbeiten
in demselben Maße ab, so daß alle Waren in gleicher Proportion mehr Arbeitszeit zu ihrer
Produktion erheischten, so wäre der Wert aller Waren gestiegen, der reale Ausdruck ihres
Tauschwerts wäre unverändert geblieben, und der wirkliche Reichtum der Gesellschaft hätte
abgenommen, da sie mehr Arbeitszeit brauchte, um dieselbe Masse von Gebrauchswerten zu
schaffen. Viertens: Die zur Produktion von A und B erforderte Arbeitszeit mag für beide
steigen oder fallen, aber in ungleichem Grade, oder die für A erforderte Arbeitszeit mag
steigen, während die für B fällt, oder umgekehrt. Alle diese Fälle können einfach darauf
reduziert werden, daß die zur Produktion einer Ware erheischte Arbeitszeit unverändert bleibt,
während die der andern steigt oder fällt.
Der Tauschwert jeder Ware drückt sich in dem Gebrauchswert jeder andern Ware aus,
sei es in ganzen Größen oder in Brüchen dieses Gebrauchswerts. Als Tauschwert ist jede
Ware ebenso teilbar wie die Arbeitszeit selbst, die in ihr vergegenständlicht ist. Die
Äquivalenz der Waren ist ebenso unabhängig von ihrer physischen Teilbarkeit als Gebrauchswerte,
wie die Addition der Tauschwerte der Waren gleichgültig dagegen ist, welchen realen
Formwechsel die Gebrauchswerte dieser Waren in ihrer Umschmelzung zu einer neuen Ware
durchlaufen.
Bisher wurde die Ware unter doppeltem Gesichtspunkt betrachtet, als Gebrauchswert
und als Tauschwert, jedesmal einseitig. Als Ware jedoch ist sie unmittelbar Einheit von
Gebrauchswert und Tauschwert; zugleich ist sie Ware nur in Beziehung auf die anderen
Waren. Die wirkliche Beziehung der Waren aufeinander ist ihr Austauschprozeß. Es ist dies
gesellschaftlicher Prozeß, den die voneinander unabhängigen Individuen eingehen, aber sie
gehen ihn nur ein als Warenbesitzer; ihr wechselseitiges Dasein füreinander ist das Dasein
ihrer Waren, und so erscheinen sie in der Tat nur als bewußte Träger des Austauschprozesses.
Die Ware ist Gebrauchswert, Weizen, Leinwand, Diamant, Maschine etc., aber als
Ware ist sie zugleich nicht Gebrauchswert. Wäre sie Gebrauchswert für ihren Besitzer, d.h.
unmittelbar Mittel zur Befriedigung seiner eignen Bedürfnisse, so wäre sie nicht Ware. Für
ihn ist sie vielmehr Nicht-Gebrauchswert, nämlich bloß stofflicher Träger des Tauschwerts,
oder bloßes Tauschmittel; als aktiver Träger des Tauschwerts wird der Gebrauchswert
Tauschmittel. Für ihn ist sie Gebrauchswert nur noch als Tauschwert.12 Als Gebrauchswert
muß sie daher erst werden, zunächst für andere. Da sie nicht Gebrauchswert für ihren eigenen
Besitzer, ist sie Gebrauchswert für Besitzer anderer Ware. Wenn nicht, war seine Arbeit
nutzlose Arbeit, ihr Resultat also nicht Ware. Andererseits muß sie Gebrauchswert für ihn
selbst werden, denn außer ihr, in den Gebrauchswerten fremder Waren, existieren seine
Lebensmittel. Um als Gebrauchswert zu werden, muß die Ware dem besonderen Bedürfnis
gegenübertreten, wofür sie Gegenstand der Befriedigung ist. Die Gebrauchswerte der Waren
werden also als Gebrauchswerte, indem sie allseitig die Stellen wechseln, aus der Hand, worin
sie Tauschmittel, übergehen in die Hand, worin sie Gebrauchsgegenstände. Nur durch diese
allseitige Entäußerung der Waren wird die in ihnen enthaltene Arbeit nützliche Arbeit. In
dieser prozessierenden Beziehung der Waren aufeinander als Gebrauchswerte erhalten sie
keine neue ökonomische Formbestimmtheit. Vielmehr verschwindet die Formbestimmtheit,
die sie als Ware charakterisierte. Brot z.B. in dem Übergang aus der Hand des Bäckers in die
Hand des Konsumenten ändert nicht sein Dasein als Brot. Umgekehrt, erst der Konsument
bezieht sich auf es als Gebrauchswert, als dies bestimmte Nahrungsmittel, während es in der
Hand des Bäckers Träger eines ökonomischen Verhältnisses, ein sinnlich übersinnliches Ding
war. Der einzige Formwechsel, den die Waren in ihrem Werden als Gebrauchswerte
eingehen, ist also die Aufhebung ihres formellen Daseins, worin sie Nicht-Gebrauchswert für
ihren Besitzer, Gebrauchswert für ihren Nichtbesitzer waren. Das Werden der Waren als
Gebrauchswerte unterstellt ihre allseitige Entäußerung, ihr Eingehen in den Austauschprozeß,


13
aber ihr Dasein für den Austausch ist ihr Dasein als Tauschwerte. Um sich daher als
Gebrauchswerte zu verwirklichen, müssen sie sich als Tauschwerte verwirklichen.
Erschien die einzelne Ware unter dem Gesichtspunkt des Gebrauchswertes
ursprünglich als selbständiges Ding, so war sie dagegen als Tauschwert von vornherein in
Beziehung auf alle andern Waren be-
trachtet. Diese Beziehung jedoch war nur eine theoretische, gedachte. Betätigt wird sie
nur im Austauschprozeß. Andrerseits ist die Ware zwar Tauschwert, sofern ein bestimmtes
Quantum Arbeitszeit in ihr aufgearbeitet und sie daher vergegenständlichte Arbeitszeit ist.
Aber, wie sie unmittelbar ist, ist sie nur vergegenständlichte individuelle Arbeitszeit von
besonderem Inhalt, nicht allgemeine Arbeitszeit. Sie ist daher nicht unmittelbar Tauschwert,
sondern muß erst solcher werden. Zunächst kann sie nur Vergegenständlichung der allgemeinen
Arbeitszeit sein, soweit sie Arbeitszeit in bestimmter nützlicher Anwendung, also in
einem Gebrauchswert darstellt. Dies war die stoffliche Bedingung, unter der allein die in den
Waren enthaltene Arbeitszeit als allgemeine, gesellschaftliche vorausgesetzt war. Wenn die
Ware daher nur als Gebrauchswert werden kann, indem sie sich als Tauschwert verwirklicht,
kann sie sich andrerseits nur als Tauschwert verwirklichen, indem sie sich in ihrer Entäußerung
als Gebrauchswert bewährt. Eine Ware kann als Gebrauchswert nur an den
veräußert werden, für den sie Gebrauchswert ist, d.h. Gegenstand besondern Bedürfnisses.
Andrerseits wird sie nur veräußert gegen eine andre Ware, oder, wenn wir uns auf die Seite
des Besitzers der andern Ware stellen, kann er seine Ware ebenfalls nur veräußern, d.h.
verwirklichen, indem er sie in Kontakt mit dem besondern Bedürfnis bringt, dessen
Gegenstand sie ist. In der allseitigen Entäußerung der Waren als Gebrauchswerte werden sie
daher aufeinander bezogen nach ihrer stofflichen Verschiedenheit als besondre Dinge, die
durch ihre spezifischen Eigenschaften besondre Bedürfnisse befriedigen. Aber als solche
bloße Gebrauchswerte sind sie gleichgültige Existenzen füreinander und vielmehr beziehungslos.
Als Gebrauchswerte können sie nur ausgetauscht werden in Beziehung auf besondre
Bedürfnisse. Austauschbar aber sind sie nur als Äquivalente, und Äquivalente sind sie nur als
gleiche Quanta vergegenständlichter Arbeitszeit, so daß alle Rücksicht auf ihre natürlichen
Eigenschaften als Gebrauchswerte und daher auf das Verhältnis der Waren zu besondern
Bedürfnissen ausgelöscht ist. Als Tauschwert betätigt sich eine Ware vielmehr, indem sie als
Äquivalent beliebig bestimmtes Quantum jeder andern Ware ersetzt, gleichgültig, ob sie für
den Besitzer der andern Ware Gebrauchswert ist oder nicht ist. Aber für den Besitzer der
andern Ware wird sie nur Ware, sofern sie Gebrauchswert für ihn ist, und für ihren eignen
Besitzer wird sie nur Tauschwert, soweit sie Ware für den andern ist. Dieselbe Beziehung also
soll Beziehung der Waren als wesentlich gleicher, nur quantitativ verschiedener Größen, soll
ihre Gleichsetzung als Materiatur der allgemeinen Arbeitszeit und soll gleichzeitig ihre
Beziehung als qualitativ verschiedene Dinge, als besondre Gebrauchswerte für besondre
Bedürfnisse, kurz, sie als wirkliche Gebrauchswerte unterscheidende Beziehung sein. Aber
diese Gleichsetzung und Ungleichsetzung schließen sich wechselseitig aus. So stellt sich nicht
nur ein fehlerhafter Zirkel von Problemen dar, indem die Lösung des einen die Lösung des
andern voraussetzt, sondern ein Ganzes widersprechender Forderungen, indem die Erfüllung
einer Bedingung unmittelbar gebunden ist an die Erfüllung ihres Gegenteils.
Der Austauschprozeß der Waren muß sowohl die Entfaltung wie die Lösung dieser
Widersprüche sein, die sich in ihm jedoch nicht in dieser einfachen Weise darstellen können.
Wir haben nur zugesehen, wie die Waren selbst wechselseitig aufeinander als Gebrauchswerte
bezogen werden, d.h., wie die Waren als Gebrauchswerte innerhalb des Austauschprozesses
auftreten. Der Tauschwert dagegen, wie wir ihn bisher betrachtet, war bloß da in unsrer
Abstraktion oder, wenn man will, in der Abstraktion des einzelnen Warenbesitzers, dem die
Ware als Gebrauchswert auf dem Speicher und als Tauschwert auf dem Gewissen liegt. Die
Waren selbst müssen aber innerhalb des Austauschprozesses nicht nur als Gebrauchswerte,
sondern als Tauschwerte füreinander da sein, und dies ihr Dasein als ihre eigene Beziehung


14
aufeinander erscheinen. Die Schwierigkeit, an der wir zunächst stockten, war, daß um sich als
Tauschwert, als vergegenständlichte Arbeit darzustellen, die Ware zuvor als Gebrauchswert
entäußert, an den Mann gebracht sein muß, während ihre Entäußerung als Gebrauchswert
umgekehrt ihr Dasein als Tauschwert voraussetzt. Aber gesetzt, diese Schwierigkeit sei
gelöst. Die Ware habe ihren besondern Gebrauchswert abgestreift und durch dessen
Entäußerung die stoffliche Bedingung erfüllt, gesellschaftlich nützliche Arbeit zu sein, statt
besondre Arbeit des einzelnen für sich selbst. So muß sie dann im Austauschprozeß als
Tauschwert, allgemeines Äquivalent, vergegenständlichte allgemeine Arbeitszeit für die
andern Waren werden und so nicht mehr die beschränkte Wirkung eines besonderen
Gebrauchswerts, sondern die unmittelbare Darstellungsfähigkeit in allen Gebrauchswerten als
ihren Äquivalenten erhalten. Jede Ware aber ist die Ware, die so durch Entäußerung ihres
besonderen Gebrauchswerts als direkte Materiatur der allgemeinen Arbeitszeit erscheinen
muß. Andrerseits aber stehen sich im Austauschprozeß nur besondere Waren gegenüber, in
besonderen Gebrauchswerten verkörperte Arbeiten von Privatindividuen. Die allgemeine
Arbeitszeit selbst ist eine Abstraktion, die als solche für die Waren nicht existiert.
Betrachten wir die Summe von Gleichungen, worin der Tauschwert einer Ware seinen realen
Ausdruck findet, z.B.:
1 Elle Leinwand = 2 Pfund Kaffee,
1 Elle Leinwand = 1/2 Pfund Tee,
1 Elle Leinwand = 8 Pfund Brot usw.,
so besagen diese Gleichungen zwar nur, daß allgemeine, gesellschaftliche Arbeitszeit von
gleicher Größe sich in 1 Elle Leinwand, 2 Pfund Kaffee, 1/2 Pfund Tee usw. vergegenständlicht.
Aber in der Tat werden die individuellen Arbeiten, die sich in diesen besondern
Gebrauchswerten darstellen, nur zu allgemeiner und in dieser Form zu gesellschaftlicher
Arbeit, indem sie sich wirklich gegeneinander austauschen im Verhältnis der Zeitdauer der in
ihnen enthaltenen Arbeit A2. Die gesellschaftliche Arbeitszeit existiert sozusagen nur latent in
diesen Waren und offenbart sich erst
in ihrem Austauschprozeß. Es wird nicht ausgegangenvon der Arbeit der Individuen als
gemeinschaftlicher, sondern umgekehrt von besondern Arbeiten von Privatindividuen,
Arbeiten, die sich erst im Austauschprozeß durch Aufhebung ihres ursprünglichen Charakters,
als allgemeine gesellschaftliche Arbeit beweisen. Die allgemein gesellschaftliche Arbeit ist
daher nicht fertige Voraussetzung, sondern werdendes Resultat. Und so ergibt sich die neue
Schwierigkeit, daß die Waren einerseits als vergegenständlichte allgemeine Arbeitszeit in den
Austauschprozeß eingehen müssen, andrerseits die Vergegenständlichung der Arbeitszeit der
Individuen als allgemeiner selbst nur Produkt des Austauschprozesses ist.
Jede Ware soll durch Entäußerung ihres Gebrauchswerts, also ihrer ursprünglichen
Existenz, ihre entsprechende Existenz als Tauschwert erhalten. Die Ware muß daher im
Austauschprozeß ihre Existenz verdoppeln. Andrerseits kann ihre zweite Existenz als
Tauschwert selbst nur eine andre Ware sein, denn im Austauschprozeß stehen sich nur Waren
gegenüber. Wie eine besondere Ware unmittelbar darstellen als vergegenständlichte allgemeine
Arbeitszeit, oder, was dasselbe ist, wie der individuellen Arbeitszeit, die in einer
besonderen Ware vergegenständlicht ist, unmittelbar den Charakter der Allgemeinheit geben?
Der reale Ausdruck des Tauschwerts einer Ware, d.h. jeder Ware als allgemeinen
Äquivalents, stellt sich dar in einer unendlichen Summe von Gleichungen wie:
1 Elle Leinwand = 2 Pfund Kaffee,
1 Elle Leinwand = 1/2 Pfund Tee,
1 Elle Leinwand = 8 Pfund Brot,
1 Elle Leinwand = 6 Ellen Kattun,
1 Elle Leinwand = usw.

15
Diese Darstellung war theoretisch, soweit die Ware als bestimmtes Quantum vergegenständlichter
allgemeiner Arbeitszeit nur gedacht war. Das Dasein einer besonderen Ware als
allgemeines Äquivalent wird aus bloßer Abstraktion gesellschaftliches Resultat des Austauschprozesses
selbst durch einfache Umkehrung der obigen Reihe von Gleichungen. Also
z.B.:
2 Pfund Kaffee = 1 Elle Leinwand,
1/2 Pfund Tee = 1 Elle Leinwand,
8 Pfund Brot = 1 Elle Leinwand,
6 Ellen Kattun = 1 Elle Leinwand.
Indem Kaffee, Tee, Brot, Kattun, kurz alle Waren, die in ihnen selbst enthaltene Arbeitszeit in
Leinwand ausdrücken, entfaltet sich der Tauschwert der Leinwand umgekehrt in allen andern
Waren als ihren Äquivalenten und wird die in ihr selbst vergegenständlichte Arbeitszeit
unmittelbar die allgemeine Arbeitszeit, die sich gleichmäßig in verschiedenen Volumen aller
andern Waren darstellt. Die Leinwand wird hier allgemeines Äquivalent durch die allseitige
Aktion aller andern Waren auf sie. Als Tauschwert wurde jede Ware zum Maß der Werte aller
andern Waren. Hier umgekehrt, indem alle Waren ihren Tauschwert in einer besondern Ware
messen, wird die ausgeschlossene Ware adäquates Dasein des Tauschwerts, sein Dasein als
allgemeines Äquivalent. Dagegen schrumpfen die eine unendliche Reihe oder die unendlich
vielen Gleichungen, worin der Tauschwert jeder Ware sich darstellte, in eine einzige
Gleichung von nur 2 Gliedern zusammen. 2 Pfund Kaffee = 1 Elle Leinwand ist jetzt der
erschöpfende Ausdruck des Tauschwerts von Kaffee, da er in diesem Ausdruck unmittelbar
als Äquivalent für bestimmtes Quantum jeder andern Ware erscheint. Innerhalb des
Austauschprozesses sind also jetzt die Waren füreinander da oder erscheinen einander als
Tauschwerte in der Form Leinwand. Daß alle Waren als Tauschwerte aufeinander bezogen
sind, als nur verschiedene Quanta vergegenständlichter allgemeiner Arbeitszeit, erscheint jetzt
so, daß sie als Tauschwerte nur verschiedene Quanta desselben Gegenstandes, der Leinwand,
darstellen. Die allgemeine Arbeitszeit stellt sich daher ihrerseits dar als ein besonderes Ding,
eine Ware neben und außer allen andern Waren. Zugleich aber ist die Gleichung, worin sich
Ware für Ware als Tauschwert darstellt, z.B. 2 Pfund Kaffee = 1 Elle Leinwand, noch zu
verwirklichende Gleichsetzung. Nur durch ihre Veräußerung als Gebrauchswert, die davon
abhängt, ob sie sich als Gegenstand eines Bedürfnisses im Austauschprozeß bewährt,
verwandelt sie sich wirklich aus ihrem Dasein Kaffee in ihr Dasein Leinwand, nimmt so die
Form des allgemeinen Äquivalents an und wird wirklich Tauschwert für alle andern Waren.
Umgekehrt dadurch, daß alle Waren durch ihre Entäußerung als Gebrauchswerte sich in
Leinwand verwandeln, wird die Leinwand das verwandelte Dasein aller andern Waren und
nur als Resultat dieser Verwandlung aller andern Waren in sie unmittelbar Vergegenständlichung
der allgemeinen Arbeitszeit, d.h. Produkt der allseitigen Entäußerung, Aufhebung
der individuellen Arbeiten. Verdoppeln die Waren so, um als Tauschwerte
füreinander zu erscheinen, ihre Existenz, so verdoppelt die als allgemeines Äquivalent ausgeschlossene
Ware ihren Gebrauchswert. Außer ihrem besondern Gebrauchswert als besondere
Ware, erhält sie einen allgemeinen Gebrauchswert. Dieser ihr Gebrauchswert ist selbst
Formbestimmtheit, d.h. geht aus der spezifischen Rolle hervor, die sie durch die allseitige
Aktion der andern Waren auf sie im Austauschprozeß spielt. Der Gebrauchswert jeder Ware
als Gegenstand eines besondern Bedürfnisses hat verschiedenen Wert in verschiedener Hand,
z.B. andern Wert in der Hand dessen, der sie veräußert, als in der Hand dessen, der sie
aneignet. Die als allgemeines Äquivalent ausgeschlossene Ware ist jetzt Gegenstand eines aus
dem Austauschprozeß selbst hervorwachsenden allgemeinen Bedürfnisses und hat für jeden
denselben Gebrauchswert, Träger des Tauschwerts zu sein, allgemeines Tauschmittel. So ist
in der einen Ware der Widerspruch gelöst, den die Ware als solche einschließt, als besonderer
Gebrauchswert zugleich allgemeines Äquivalent und daher Gebrauchswert für jeden, allgemeiner
Gebrauchswert zu sein. Während also alle andern Waren jetzt zunächst ihren

16
Tauschwert als ideelle, erst zu realisierende Gleichung mit der ausschließlichen Ware
darstellen, erscheint bei dieser ausschließlichen Ware ihr Gebrauchswert, obgleich reell, in
dem Prozeß selbst als bloßes Formdasein, das erst durch Verwandlung in wirkliche
Gebrauchswerte zu realisieren ist. Ursprünglich stellte sich die Ware dar als Ware überhaupt,
allgemeine Arbeitszeit vergegenständlicht in einem besondern Gebrauchswert. Im Austauschprozeß
beziehen sich alle Waren auf die ausschließliche Ware als Ware überhaupt, die Ware,
Dasein der allgemeinen Arbeitszeit in einem besondern Gebrauchswert. Als besondere Waren
verhalten sie sich daher gegensätzlich zu einer besondern Ware als der allgemeinen Ware 13.
Daß also die Warenbesitzer wechselseitig sich auf ihre Arbeiten als allgemeine gesellschaftliche
Arbeit beziehen, stellt sich so dar, daß sie sich auf ihre Waren als Tauschwerte
beziehen, die wechselseitige Beziehung der Waren aufeinander als Tauschwerte im Austauschprozeß
als ihre allseitige Beziehung auf eine besondere Ware als adäquaten Ausdruck
ihres Tauschwerts, was umgekehrt wieder erscheint als spezifische Beziehung dieser
besondern Ware zu allen andern Waren und darum als bestimmter gleichsam naturwüchsig
gesellschaftlicher Charakter eines Dings. Die besondere Ware, die so das adäquate Dasein des
Tauschwerts aller Waren darstellt, oder der Tauschwert der Waren als eine besondere, ausschließliche
Ware, ist - Geld. Es ist eine Kristallisation des Tauschwerts der Waren, die sie im
Austauschprozeß selbst bilden. Während daher die Waren innerhalb des Austauschprozesses
als Gebrauchswerte füreinander werden, indem sie alle Formbestimmtheit abstreifen und sich
aufeinander in ihrer unmittelbaren stofflichen Gestalt beziehen, müssen sie, um einander als
Tauschwerte zu erscheinen, neue Formbestimmtheit annehmen, zur Geldbildung fortgehen.
Das Geld ist nicht Symbol, so wenig wie das Dasein eines Gebrauchswerts als Ware Symbol
ist. Daß ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis sich als ein außer den Individuen vorhandener
Gegenstand und die bestimmten Beziehungen, die sie im Produktionsprozeß ihres
gesellschaftlichen Lebens eingehen, sich als spezifische Eigenschaften eines Dings darstellen,
diese Verkehrung und nicht eingebildete, sondern prosaisch reelle Mystifikation charakterisiert
alle gesellschaftlichen Formen der Tauschwert setzenden Arbeit. Im Geld erscheint
sie nur frappanter als in der Ware.
Die notwendigen physischen Eigenschaften der besondern Ware, worin sich das
Geldsein aller Waren kristallisieren soll, soweit sie aus der Natur des Tauschwerts unmittelbar
hervorgehen, sind beliebige Teilbarkeit, Gleichförmigkeit der Teile und Unterschiedslosigkeit
aller Exemplare dieser Ware. Als Materiatur der allgemeinen Arbeitszeit muß sie gleichartige
Materiatur sein und fähig, bloß quantitative Unterschiede darzustellen. Die andre notwendige
Eigenschaft ist Dauerbarkeit ihres Gebrauchswerts, da sie innerhalb des Austauschprozesses
ausdauern muß. Die edeln Metalle besitzen diese Eigenschaften in vorzüglichem Grade. Da
das Geld nicht Produkt der Reflexion oder der Verabredung ist, sondern instinktartig im
Austauschprozeß gebildet wird, haben sehr verschiedene, mehr oder minder unpassende
Waren abwechselnd die Funktion des Geldes verrichtet. Die Notwendigkeit, auf einer
gewissen Stufe der Entwicklung des Austauschprozesses, die Bestimmungen von Tauschwert
und Gebrauchswert polarisch an die Waren zu verteilen, so daß eine Ware z.B. als Tauschmittel
figuriert, während die andere als Gebrauchswert veräußert wird, bringt es mit sich, daß
überall die Ware oder auch mehrere Waren vom allgemeinsten Gebrauchswert zunächst
zufällig die Rolle des Geldes spielen. Wenn nicht Gegenstand eines unmittelbar vorhandenen
Bedürfnisses, sichert ihr Dasein als stofflich bedeutendster Bestandteil des Reichtums ihnen
einen allgemeinem Charakter als denübrigen Gebrauchswerten.
Der unmittelbare Tauschhandel, die naturwüchsige Form des Austauschprozesses,
stellt vielmehr die beginnende Umwandlung der Gebrauchswerte in Waren als die der Waren
in Geld dar. Der Tauschwert erhält keine freie Gestalt, sondern ist noch unmittelbar an den
Gebrauchswert gebunden. Es zeigt sich dies doppelt. Die Produktion selbst in ihrer ganzen
Konstruktion ist gerichtet auf Gebrauchswert, nicht auf Tauschwert, und es ist daher nur
durch ihren Überschuß über das Maß, worin sie für die Konsumtion erheischt sind, daß die
Gebrauchswerte hier aufhören Gebrauchswerte zu sein und Mittel des Austausches werden,
Ware. Andrerseits werden sie Waren selbst nur innerhalb der Grenzen des unmittelbaren
Gebrauchswerts, wenn auch polarisch verteilt, so daß die von den Warenbesitzern auszutauschenden
Waren für beide Gebrauchswerte sein müssen, aber jede Gebrauchswert für ihren
Nichtbesitzer. In der Tat erscheint der Austauschprozeß von Waren ursprünglich nicht im
Schoß der naturwüchsigen Gemeinwesen 14, sondern da, wo sie aufhören, an ihren Grenzen,
den wenigen Punkten, wo sie in Kontakt mit andern Gemeinwesen treten. Hier beginnt der
Tauschhandel und schlägt von da ins innere des Gemeinwesens zurück, auf das er zersetzend
wirkt. Die besondern Gebrauchswerte, die im Tauschhandel zwischen verschiedenen Gemeinwesen
Waren werden, wie Sklave, Vieh, Metalle, bilden daher meist das erste Geld in nerhalb
der Gemeinwesen selbst. Wir haben gesehen, wie sich der Tauschwert einer Ware in um so
höherm Grade als Tauschwert darstellt, je länger die Reihe seiner Äquivalente oder je größer
die Sphäre des Austausches für die Ware ist. Die allmähliche Erweiterung des Tauschhandels,
Vermehrung der Austausche und Vervielfältigung der in den Tauschhandel kommenden
Waren, entwickelt daher die Ware als Tauschwert, drängt zur Geldbildung und wirkt damit
auflösend auf den unmittelbaren Tauschhandel. Die Ökonomen pflegen das Geld aus den
äußern Schwierigkeiten abzuleiten, worauf der erweiterte Tauschhandel stößt, vergessen aber
dabei, daß diese Schwierigkeiten aus der Entwicklung des Tauschwerts und daher der gesellschaftlichen
Arbeit als allgemeiner Arbeit entspringen. Z.B.: Die Waren sind als Gebrauchswerte
nicht beliebig teilbar, was sie als Tauschwerte sein sollen. Oder die Ware von A mag
Gebrauchswert für B sein, während die Ware von B nicht Gebrauchswert für A ist. Oder die
Warenbesitzer mögen ihre wechselseitig auszutauschenden unteilbaren Waren in ungleichen
Wertproportionen bedürfen. In andern Worten, unter dem Vorwand, den einfachen Tauschhandel
zu betrachten, veranschaulichen sich die Ökonomen gewisse Seiten des Widerspruchs,
den das Dasein der Ware als unmittelbare Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert
einhüllt. Andrerseits halten sie dann konsequent am Tauschhandel als adäquater Form des
Austauschprozesses der Waren fest, der nur mit gewissen technischen Unbequemlichkeiten
verknüpft sei, wofür. Geld ein pfiffig ausgedachtes Auskunftsmittel. Von diesem ganz flachen
Standpunkt aus hat ein geistreicher englischer Ökonom daher richtig behauptet, Geld sei ein
bloß materielles Instrument, wie ein Schiff oder eine Dampfmaschine, aber nicht die Darstellung
eines gesellschaftlichen Produktionsverhältnisses und folglich keine ökonomische
Kategorie. Es werde aher nur mißbräuchlich in der politischen Ökonomie, die in der Tat
nichts mit der Technologie gemein hat, abgehandelt.15
In der Warenwelt ist eine entwickelte Teilung der Arbeit vorausgesetzt, oder stellt sich
vielmehr unmittelbar in der Mannigfaltigkeit der Gebrauchswerte dar, die sich als besondere
Waren gegenübertreten und in denen ebenso mannigfaltige Arbeitsweisen stecken. Die
Teilung der Arbeit, als Totalität aller besondern produktiven Beschäftigungsweisen, ist die
Gesamtgestalt der gesellschaftlichen Arbeit nach ihrer stofflichen Seite, als Gebrauchswerte
produzierende Arbeit betrachtet. Als solche aber existiert sie, vom Standpunkt der Waren aus
und innerhalb des Austauschprozesses, nur in ihrem Resultat, in der Besonderung der Waren
selbst.
Der Austausch der Waren ist der Prozeß, worin der gesellschaftliche Stoffwechsel, d.h.
der Austausch der besonderen Produkte der Privatindividuen, zugleich Erzeugung bestimmter
gesellschaftlicher Produktionsverhältnisse ist, welche die Individuen in diesem Stoffwechsel
eingehen. Die prozessierenden Beziehungen der Waren aufeinander kristallisieren sich als
unterschiedene Bestimmungen des allgemeinen Äquivalents, und so ist der Austauschprozeß
zugleich Bildungsprozeß des Geldes. Das Ganze dieses Prozesses, der sich als ein Verlauf
verschiedener Prozesse darstellt, ist die Zirkulation.